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Dr. Gertrud Luckner um 1935

Portrait der jungen Gertrud Luckner

Herzlich Willkommen an der ersten Station der Stadttour "Auf den Spuren von Gertrud Luckner". Diese Stadttour wurde von Schülern der Gertrud Luckner Gewerbeschule, auch als Vorbereitung auf den Schüleraustausch mit dem Technological College of Beer Sheva und der Reise nach Israel und Palästina im Herbst 2018, unter der Leitung von Sandra Butsch, Lehrerin und Israelbeauftragte der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule, im Rahmen des Erinnerungsprojektes "Erinnerung sichtbar Machen. 80 Jahre Reichsprogromnacht" erarbeitet. Im Vorfeld haben wir uns bei Franz Brockmeyer, Bibliothekar der hauseigenen Gertrud-Luckner-Bibliothek erkundigt und mit Frau Brannath, Stadtführerin und Mutter einer ehemaligen Schülerin der GLG, die den Israelaustausch an der Schule 2016 mitmachte und daraufhin ein FSJ in einem Kinderheim in Israel machte, eine Gertrud-Luckner-Führung durch Freiburg gemacht. Als Quellen dienten uns darüber hinaus vor allem "Gertrud Luckner: Botschafterin der Menschlichkeit" und "Betrifft: Nachrichtenzentrale des Erzbischofs Gröber in Freiburg" von Hans-Josef Wollach und unser Schulmaterial "Gertrud Luckner" von Irmgard Dickmann-Schuth.

Die Tour, die wir für Sie erstellt haben, führt Sie an wichtige Stationen im Leben und Wirken von Dr. Gertrud Luckner, zeigt Aspekte des Lebens von Juden in Freiburg während der Zeit des Nationalsozialismus und heute auf und beschäftigt sich damit, wie an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht und erinnert wird. Das Video zu dieser Station soll als kleiner Vorgeschmack auf die weiteren Stationen der Tour dienen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Erkunden Freiburgs auf eine andere Art.

Das Gebäude, vor dem Sie sich befinden, ist ein Standort der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule. Erbaut wurde das Gebäude von den damals ansässigen Lehrlingen der Handwerksbetriebe innerhalb von vier Jahren, im Zeitraum von 1900 bis 1904. Nach Fertigstellung diente das Gebäude den Lehrlingen als Schulgebäude. Die Wappen an der Gebäudefassade bilden die Berufe ab, die an der Schule gelehrt wurden. Einen Namenspatron hatte die Schule aber nicht. Dies änderte sich im Jahre 1987, als sich die damals im Schulhaus  beheimatete "Freiburger Gewerbeschule 4" in " Gertrud-Luckner-Gewerbeschule" umbenannte. Doch warum entschied man sich für Gertrud Luckner, die Frau auf den Bildern als junge und alte Frau abgebildet, als Namensgeberin? 

Gertrud Luckner wurde am 26. September 1900 in Liverpool als Kind deutscher Auswanderer unter dem Namen Jane Hartmann geboren. Ihre leiblichen Eltern ließen Sie in Liverpool zurück, wo sie als Pflegekind zu einem kinderlosen deutschen Ehepaar kam. Im Alter von sieben Jahren zog sie mit ihren Pflegeeltern nach Königsberg. Diese adoptierten die junge Frau 1922 im Alter von 22 Jahren, ein Zeichen für die gute Beziehung zwischen Gertrud Luckner und ihren Pflegeeltern. 1931 zog Gertrud Luckner für ihr Studium nach Freiburg. Gertrud Luckner ahnte schon früh, dass die Nationalsozialisten eine Gefahr für das Judentum in Deutschland darstellten, weshalb sie schon zu ihren Studienzeiten Juden riet Deutschland zu verlassen. Diese Einstellung behielt sie bei, weshalb Sie in der Folge Juden zur Flucht aus Deutschland verhalf, obwohl dies ein sehr gefährliches Unterfangen war. Ihre Arbeit blieb von den Nazis nicht unentdeckt. Gertrud Luckner wurde 1943 verhaftet und in das KZ Ravensbrück deportiert. Sie überlebte das Kozentrationslager, kehrte zurück nach Freiburg und setzte sich nach dem Krieg für den jüdisch-deutschen Dialog ein, unter anderem mit ihrer Zeitschrift "Freiburger Rundbrief".  In der Nachkreigszeit wurde sie mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, wie dem "Bundesverdienstkreuz" oder der Auszeichnung vom Staat Israel als "Gerechte unter den Völkern".

Gertrud Luckner wurde als Namenspatronin ausgewählt, da sie eine der herausragendsten Persönlichkeiten der Stadt Freiburg ist und sie ein Paradebeispiel für Zivilcourage, Toleranz, Willensstärke und Mut darstellt, trotz ihrer bescheidenen Körpermaße. Sie ist eine Persönlichkeit, die andere Personen und vor allem Schüler zu ähnlichen Taten inspirieren kann. Sie stimmte der Namensänderung selbst zu und war bei der Veranstaltung selbst zugegen, trotz Ihres hohen Alters. Jährlich in der Woche um ihren Geburtstag feiert die Schule Gertrud-Luckner-Tage, bei denen jede Schülerin und jeder Schüler der Schule die Gelegenheit bekommt, sich mit der Person "Gertrud Luckner", dem Erinnern an die kaum vorstellbare, schreckliche Zeit des Nationalsozialismus und dem Gedenken der Opfer, aber auch mit Themen, die Frau Doktor Gertrud Luckner wichtig waren, und die immer noch sehr aktuell sind, auseinanderzusetzen.

 

Ort Freiburg im Breisgau
Autor GLGSFR
Kategorien
Erinnern
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Zugeordnete Touren Auf den Spuren Gertrud Luckners

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